Dienstag, 15. März 2011

Marokko

Am 7. September war es soweit: Sveta und ich haben uns das „Ja-Wort“ gegeben. Für unsere Liebe war dies ein Schritt in Richtung Zukunft.
Einen Tag nach den Feierlichkeiten sind wir in den Flieger mit dem Ziel „Malaga“ gestiegen. Erst wollten wir mittels Autostopp nach Tarifa, damit wir anschließend mit der Fähre nach Marokko umsetzen könnten. Leider mussten wir nach fünf Stunden an der Autobahnauffahrt die Erfahrung machen, dass Autostoppen in Spanien nicht so einfach ist, wie gedacht. Aus dieser Situation heraus sind wir einfach auf den nächsten Bus, der Richtung Tarifa fuhr, aufgesprungen. 
Die erste Nacht unseres Honey-Moon-Trips verbrachten wir in einem eingestürzten Haus von Algeciras. Die Hafenstadt Tanger am nördlichsten Zipfel von Marokko haben wir am nächsten Abend erreicht.
Als wir Marokko betraten, wussten wir noch nichts über dieses Land. Die einzige Grundlage war eine Straßenkarte. Auf der Suche nach einer Wechselstube mussten wir gleich mal feststellen, dass Englisch fast niemand beherrscht. Aus diesem Grund hielten wir Ausschau nach Touristen, die uns Auskunft zum Land geben könnten. Zwei ältere Franzosen wurden zu unserem Informationsstand. Sie informierten uns über Währung, übliche Preise von Lebensmitteln und Essen in Restaurants und bemerkenswerte Feierlichkeiten wie das Fastenbrechen am Ende des Ramadan (Fastenmonat), nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag; Da dieses Fest der Fastenzeit ein Ende bereitet, wird es über drei Tage fröhlicher und festlicher begangen als das „große“ Opferfest am 10. Tag des Pilgerfahrtmonats. Die Straßen waren voll mit traditionell gekleideten Leuten, Ständen mit verschiedenen Attraktionen, exotischen Essensständen; einen Erlebnispark gab es auch.
Nachdem wir uns einige Dirham aus dem Geldautomaten geholt hatten, gönnten wir uns ein etwas fragwürdige Essen. Auf der Suche nach einer Herberge, folgten wir skeptisch einem einheimischen Mann, welcher unsere fragenden Blicke auf der Straße verstand. Er führte uns zu einer spartanischen Unterkunft. Nach einer erholsamen Nacht mussten wir entscheiden, wo uns die Reise noch hinführen sollte. 
Erst wollten wir den Weg nach Chefchaouen einschlagen; eine wunderschöne, in Blau gehaltene Bergstadt im Landesinneren. Auf Grund des Fastenbrechens waren sehr viele Gläubige nach Tanger gekommen, die wollten nun auch wieder nach Haus, deshalb waren alle Busse für diesen Tag schon ausgebucht. Diese Information zu bekommen, dauerte seine Stunden. Also schlugen wir eine andere Richtung ein. Wir beschlossen mit dem Zug über Asilah und der Hauptstadt Rabat nach Marakesch zu reisen. Im Zug eingestiegen realisierten wir, die Bahnhöfe waren mit keiner Ortsinformation ausgestattet, dass wir nicht wussten, wann wir für unseren ersten Halt „Asilah“ aussteigen müssten. Wir versuchten uns bei unserem marokkanischen Gegenüber mit dem Wort „Asilah“, Zugticket auf dem „Asilah“ stand und sehr ausschweifender Körpersprache zu informieren, wann die Station „Asilah“ den komme. Nach einer amüsanten halben Stunde konnte er unser Anliegen verstehen. Er lächelte und deutete gegen die Fahrtrichtung. In diesem Augenblick wurde uns klar, dass wir die Station schon verpaßt hatten. Wir beschlossen, einfach an der nächsten Haltestelle auszusteigen. Ganz nach dem Motto:“Mal schauen was kommt!“. Gelandet sind wir in Ksar, einer von Touristen vernachlässigten Stadt. Hier konnten wir die arabische Gastfreundschaft in vollen Zügen kennen lernen. Wir haben bei einer jungen Frau ein Hennatatoo bemerkt und fragten sie, wie sie dazu gekommen wäre. 
Wir wurden von ihr nach Hause eingeladen, damit sie  Sveta ein Hennatatoo machen kann. Wir wurden verpflegt mit Keksen, Tee und Kakteenfrüchten. Die Bemalung mit Henna dauerte ca. zwei Stunden. Als wir uns wieder auf den Weg zu einer Unterkunft machen und der Familie etwas für das Hennatatoo geben wollten, war diese schon fast beleidigt und bestand darauf, dass wir nicht bezahlen sollten und als Draufgabe bekam meine Frau noch ein Kleid geschenkt. In diesem Augenblick verstanden wir die Welt nicht mehr.
In unserer europäischen Kultur und Denkweise wäre so eine Haltung - bis auf wenige Ausnahmen - undenkbar. In diesem Sinne lehnten wir das Angebot der Familie, bei ihnen zu übernachten, dankbar ab, was auf Unverständnis und Skepsis stieß, das allerdings ein Familienmitglied nicht daran hinderte, uns zum Hotel zu begleiten. 
Bis zum heutigen Tag beschäftigt uns die kulturell unterschiedliche Auffassung von Gastfreundschaft und die Frage, ob der Tourismus in diesem Punkt nicht eher eine zerstörende zumindest verstörende Wirkung hat. Einerseits könnte der Tourismus Herz und Verstand für den Unterschied von Kulturen öffnen, andrerseits scheint er die Unterschiede zu Gunsten von weltweit sich gleichenden all-inklusiv-Angeboten gegen Bezahlung aufzuheben.
Den Aufenthalt in Ksar ließen wir am nächsten Tag mit einem Kurzbesuch am Meer ausklingen.
Die anschließende Zugfahrt nach Rabat konnten wir bei der richtigen Station beenden und somit die Geheimnisse der Hauptstadt erkunden. Am Abend erforschten wir gleich den riesigen Markt in der Medina. Er erstreckte sich über unzählige Gassen und Straßen. Wenn man nicht aufpaßte, dann hatte man sich schnell aus den Augen verloren. 
Nach einem Tag Aufenthalt in Rabat führten wir unsere Reise nach Marakesch fort. 
Zum Glück konnten wir in diesem überfüllten Zug einen Sitzplatz bekommen. Trotz überfüllten Zügen ist das Reisen im Zug ein wahrer Genuss im Vergleich zum Bus. Die Wagons sind echt modern. Andere Backbacker, die wir im Zug kennen gelernt hatten, mussten die siebenstündige Zugfahrt im Stehen verbringen. Marakesch ist eine sehr belebte Stadt. Sie diente früher den Kameltreibern als ersten Aufenthaltsort nach einer Wüstendurchquerung. Der  zentrale Marktplatz (Djemaa el Fna) bot mit den Schlangenbeschwörern, Tänzern , Vorlesern, Gauklern und Musikern Unterhaltung an. Dieses wilde Treiben zog uns auch heute noch in den Bann, zauberte uns eine andere Welt.
 







Nach jeder menge Orangensaft und einigen Taschins, ging unsere Reise weiter in die Wüste. Sie verlief quer durch das Atlasgebirge. 
Auf dieser Fahrt bestaunten wir verschiedene Sehenswürdigkeiten wie Oasen, die marokkanische Filmstadt und das Tal der Rosen. In einem kleinen Dorf, dessen Namen wir wegen seines fremden Klangs vergessen haben, haben wir uns von einem Teppichhändler in ein Gespräch verwickeln lassen. Nach jeder Menge Tee und Informationen zur Herstellung von Teppichen wurde mir ein Tauschhandel für meine Frau (Frau gegen Teppich) angeboten. 
Ich schlug das Angebot dankend ab, jedoch weiß ich jetzt, wie man Teppiche webt. 
Und dann lag sie vor uns: die Sahara, ockerfarbene Dünen im Spiel von Schatten und Licht, still und weit. Wir warteten in andächtiger Stille, bis alle Teilnehmer für den Wüstenexkurs eingetroffen waren. Bei Sonnenuntergang ritten wir auf Kamelen zu einem Lager der Tuareg, als es anfing zu REGNEN. Wir genossen die Abkühlung, das sanfte Rauschen, betrachteten das Muster, das die Tropfen in den Sand schrieben und alsbald das Farbenspiel der Sonne in den Pfützen, die schnell aufgetrocknet waren. 
Es entstand ein wunderbarer Regenbogen. Im Lager angekommen, wurden wir herrlich bekocht. Auch für Abendunterhaltung war gesorgt → ein Sandsturm. Da die Zelte nicht winddicht waren, war das Schlafen nicht gerade eine Wonne. Wir versuchten unsere Gesichter mit Decken zu schützen, jedoch der Sand hatte sich in Nase, Augen, Haare, Mund eigentlich überall hinein verkrochen, was das Praktische der Bekleidung der Wüstenbewohner/innen erklärt.
Der Ritt zurück in das Basislager erwies sich nicht mehr ganz so fein wie der Ritt in die Wüste. Der einstündige Kamelwanderung vom Vortag hatte seine Spuren hinterlassen. Die Vorstellung die gesamte Wüste (4500km) zu durchqueren, bereitet uns, selbst in der Heißen Wüste, eine schöne Gänsehaut. Auch nie zu wissen wann man die Wasserflasche oder den Essensvorrat nachfüllen kann.
Der Aufenthalt in der Wüste war ein Erlebnis für sich. Wir konnten sehr viel Sand auf einem Haufen sehen, es war faszinierend. 
Am nächsten Morgen ging es wieder zurück nach Marakesch und gleich weiter nach Essaouira. In Essaouira konnten wir noch einige schöne Tage am Meer verbringen. Diese gestalteten wir mit Frisbee spielen, Laufen und Fisch essen. Nach einem kleinen Abstecher in Casablanca, flogen wir zurück nach Malaga. Im Großen und Ganzen war Marokko für uns ein wunderbares Erlebnis. Am meisten faszinierte uns die Kunst der Preiskalkulation.
Man sollte teilweise sehr aufpassen, was man bezahlt, die Preise sollten immer vorher ausgemacht werden, egal was man konsumiert, denkt der Europäer.  Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel etwas Wert ist, frag einfach einen Unabhängigen auf der Straße. 
In Küstennähe können wir Fisch, Calamaree, Hai oder andere Meeresfrüchte sehr empfehlen.  Wenn man diese Speisen jedoch in einem Restaurant sucht, wird man nur schwer fündig. Man sollte sich diese Ware am Fischmarkt besorgen und sich in einem Restaurant zubereiten lassen.  Falls du jetzt einen Geschmack auf Marokko bekommen hast. Solltest du hin.  





Im Hafen von Essaouira
 Glück findet man nur zu zweit